Al-Hakim

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Al-Hakim bi-amr Allah - kurz al-Hakim - aus der Familie der Fatimiden war von 996 bis 1021 unter dem Titel eines Kalifen der Herrscher von Ägypten. Sein eigentlicher Name war Abu Ali al-Mansur, sein Spitzname "der Gecko". Kalif al-Hakim wird im Mittelteil von MOSAIK 381 erwähnt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Erwähnung im MOSAIK

Im zweiten Teil des redaktionellen Beitrags Jerusalem - Die Heilige Stadt, der in Heft 381 erschien, wird Kalif al-Hakim kurz als der Zerstörer der Grabeskirche von Jerusalem genannt. Dass es sich dabei um den schiitisch-ismailitischen Herrscher von Ägypten und nicht den traditionellen, sunnitischen Kalifen von Bagdad handelt, wird allerdings nicht erwähnt.

[Bearbeiten] Kalif al-Hakim und die Zerstörung der Grabeskirche

[Bearbeiten] Herkunft und Regierung

Al-Hakim war der dritte fatimidische Herrscher von Ägypten und insgesamt der sechste fatimidische Kalif. Er folgte als Elfjähriger seinem Vater al-Aziz auf dem Thron und stand daher zunächst unter der Fuchtel verschiedener Regenten. Im Jahre 1000 brachte er jedoch seinen Wesir Bardschawan eigenhändig um und trat als Fünfzehnjähriger die Selbstherrschaft an. Seine Mutter war eine orthodoxe Christin; ihre Brüder Orestes und Arsenios waren nacheinander die Patriarchen von Jerusalem.

Das fatimidische Reich erstreckte sich damals von Algerien bis Arabien und vom ersten Nil-Katarakt bis Syrien, eine direkte Herrschaft konnten die selbsternannten Kalifen jedoch nur in Ägypten selbst und in Teilen des Heiligen Landes ausüben. Al-Hakim war eine widersprüchliche Persönlichkeit. Einerseits zeigte er sich sehr volksnah und den Bedürfnissen seiner Untertanen gegenüber aufgeschlossen und förderte in hohem Maße die Wissenschaften, andererseits versuchte er aber auch, wechselnde religiöse Reformen durchzuführen und den fiskalischen Druck zu erhöhen, und zeigte sich seinen Ministern und Mitarbeitern gegenüber extrem misstrauisch (kaum einer seiner Wesire starb eines natürlichen Todes).

[Bearbeiten] Bedrückung der Christen und Zerstörung der Grabeskirche

Zu den religiösen Experimenten al-Hakims zählte eine jahrelange Bedrückung der christlichen Bevölkerungsmehrheit (etwa von 1008 bis 1020). Er ließ Kirchen einreißen, zwang christliche Beamte zur Konversion oder Ausreise, dekretierte das Tragen eines gut sichtbaren Kreuzes als Erkennungsmerkmal und erhöhte die Abgaben der Christen. Diese Politik war insofern heikel, als das allgemeine Staatswesen Ägyptens zu jener Zeit in hohem Maße auf die Kopten angewiesen war. Nicht alle seiner Maßnahmen jedoch sind singulär unter seiner Herrschaft zu finden oder rein religiös motiviert, weshalb man von keiner speziellen "Hakimschen Christenverfolgung" reden kann. Zum Ende seines Lebens machte er diese Maßnahmen jedenfalls fast alle rückgängig, ließ die Kirchen und Klöster wieder aufbauen und erstattete den konfiszierten Besitz zurück. Unter seinem Sohn und Nachfolger az-Zahir wurden auch die restlichen Restriktionen bald nach seinem Regierungsantritt 1021 aufgehoben.

Zu den Kirchen, die al-Hakim zerstören ließ, gehörte die große, von Kaiser Konstantin 335 geweihte Grabeskirche von Jerusalem. Der kommissarische Patriarch von Jerusalem, Arsenios, der Onkel des Kalifen, erfuhr noch rechtzeitig vom Anmarsch des Abrisskommandos und konnte so die meisten wertvollen und heiligen Schätze und Gegenstände in Sicherheit bringen. Im September 1009 begann der Abriss und die Kirche wurde fast bis auf ihre Grundmauern zerstört; sogar das (angebliche) Grab Jesu, das sich unter der Kirche befand, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Als vorgebliches, allerdings recht anekdotenhaftes Motiv al-Hakims für die Zerstörung der Grabeskirche wird überliefert, dass er sich über die Lichtwunder ereiferte, die alljährlich am Karsamstag hier zu bestaunen waren (angeblich entzündeten sich die Fackeln der Grabeskirche zu diesem Datum von selbst - natürlich ein frommer Betrug).

In einem Dekret vom Juli/August 1020 erlaubte al-Hakim wieder Gottesdienste auf dem Boden der Kirche; der Wiederaufbau wurde allerdings erst von seinem Sohn az-Zahir 1027 grundsätzlich gestattet und schließlich - nach Beilegung eines Konfliktes mit Byzanz, wobei die Religionspolitik als Druckmittel diente - 1036 wirklich begonnen.

[Bearbeiten] Verschwinden und Nachleben

Im Februar 1021 kehrte al-Hakim von einem Ausritt in die Wüste nicht zurück. Es ist einigermaßen sicher, dass der 35-Jährige ermordet wurde, doch unklar, auf wessen Befehl. Möglicherweise steckte seine Schwester Sitt al-Mulk dahinter, die sich bereits bei seinem Regierungsantritt eine Beteiligung an der Herrschaft erhofft hatte und nun, nach seinem Tod, die Regentschaft für den unmündigen az-Zahir übernahm.

Al-Hakim wird von der Sekte der Drusen, einer radikalen Abspaltung der Ismailiten, als Inkarnation des Schöpfergottes verehrt. Er selbst stand dieser Glaubensrichtung zwar recht reserviert gegenüber, doch seit seinem geheimnisvollen Verschwinden erwarten die Drusen seine Wiederkehr nach 1000 Jahren. Dann soll er endlich die Weltherrschaft antreten.

Andererseits lebt al-Hakim in den Erzählungen aus 1001 Nacht weiter. Zum einen bezieht sich die dort dem Kalifen Harun al Raschid zugeschriebene, historisch nicht belegte Volksnähe samt unerkanntem Wandeln durch die Basare seiner Hauptstadt auf den fatimidischen Kalifen. Doch auch unter seinem eigenen Namen ist al-Hakim in diversen Ausgaben von 1001 Nacht vertreten; ca. in der 388./389. Nacht - es variiert von Fassung zu Fassung - wird seine Freigebigkeit thematisiert.

[Bearbeiten] Quellen und weiterführende Links

[Bearbeiten] Al-Hakim wird in folgendem Mosaikheft erwähnt

Mittelteil von 381
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